Weidefleisch erster Güte

Unsere “Zutaten” für bestes Weidefleisch: Eine artgerechte Haltung und Fütterung sowie eine stressfreie Schlachtung. Mit diesem “Rezept” werden wir nicht nur den Bedürfnissen unserer Tieren gerecht, es ist auch ein Qualitätsversprechen an unsere Kunden.


Artgerechte Haltung

Artgerecht – das beginnt bei uns schon bei der Geburt. Unsere Kühe gebären stressfrei und nach ihrem eigenen Tempo. Da Odenwälder Rote leicht kalben, ist menschliches Eingreifen in den meisten Fällen völlig unnötig. Wir betreiben Mutterkuhhaltung und unsere Kälber bleiben 10 – 11  Monate bei ihren Müttern. In der landwirtschaftlichen Praxis ist dies leider die Ausnahme. In der Regel werden die Kälber bereits nach 1 – 2 Tagen von ihren Müttern getrennt damit die Kühe gemolken werden können. Die Kälber bekommen ihre Milch aus einem Nuckeleimer und wachsen fernab ihres Familienverbands auf. Für die Tiere ist dies ein hartes Schicksal, denn als Herdentiere sind sie überaus sozial und brauchen ihre Artgenossen. 

Unsere Rinder wachsen in Herden mit natürlichen sozialen Strukturen auf – gut behütet von ihren Müttern und umgeben von gleichaltrigen Spielgefährten. Sie lernen, mit Rangordnung, Rangeleien und Konflikten umzugehen: Wichtige Lektionen für die Entwicklung ausgeglichener Charaktere und psychische Gesundheit. Dazu kommt, dass unsere Tiere 365 Tage im Jahr unter freiem Himmel leben. Von Frühjahr bis Spätherbst grasen sie in kleinen Herden auf unseren Weideflächen. Die kältere Jahreszeit verbringen unsere Tiere im Tal, wo ihnen große, helle Außenklimaställe Schutz und zugleich Platz bieten.


Artgerechte Fütterung

Die Milch der Mutterkühe ist ausschließlich ihren Kälbern vorbehalten – genauso, wie es die Natur vorsieht. Wir achten bei unserer Zucht darauf, dass unsere Bullen nicht nur Leichtkalbigkeit, sondern auch “gute Milchgene” vererben. So sichern wir, dass die weiblichen Nachkommen ihren Kälbern gute Mütter sein können und für ausreichend Milch sorgen. Die Fütterung von speziellem Kälberfutter haben unsere Jüngsten nicht nötig.

Grundsätzlich ist die leistungsfördernde Zufütterung von Kraftfutter bei uns tabu. Auf unseren Weiden finden die Rinder eine vielseitige Vegetation vor – mit Hecken, Kräutern, Brennnessel und Bäumen. Diese Vielseitigkeit bietet ihnen ausgewogene Nahrung, die sie mit allem versorgen, was sie benötigen. Nur in der kälteren Jahreszeit wird zugefüttert – mit selbst produzierter Heu- und Graßsilage von naturbelassenen Flächen. Da unsere robusten Tiere tagein tagaus artgerecht ernährt werden und sich reichlich bewegen, sind sie auf natürliche Art gesund. Vorbeugende Antibiotika oder leistungsstärkende Präparate sind für uns Fremdwörter.

Die extensive “Mast” – ausschließlich mit natürlichem Grünfütterung -, hat zur Folge, dass die Entwicklung unserer Rinder etwas langsamer voranschreitet. Sie sind erst mit zweieinhalb Jahren ausgewachsen und nicht – so wie in der intensiven Masthaltung – mit knapp 2 Jahren. Das Fleisch ist durch das langsame und bewegungsintensive Aufwachsen zart, feinfaserig und fettarm. Zudem enthält vielseitiges Grünfutter reichlich mehrfach ungesättigte Linolensäure (Omega-3-Fettsäuren), die sich auch im Fleisch unserer Tiere wiederfindet.  Dementsprechend ist das Fleisch nicht nur geschmacklich, sondern auch ernährungsphysiologisch die bessere Wahl.*


Ohne Stress zum guten Geschmack

Dem sensiblen Thema der Schlachtung widmen wir höchste Aufmerksamkeit und haben uns zwei gleichgesinnte Kooperationspartner ins Boot geholt: Den “Hof am See” und das Fleischwerk VIII – beide befinden sich im Harz. Deswegen geht es für unsere Rinder nach der Entwöhnung von ihren Müttern in Richtung Nordosten.

Hier finden sie auf dem “Hof am See” ihr neues Zuhause. Der ehemalige Milchbauernhof bei Seeburg ist Teil des Kolping-Berufsbildungswerks Hettstedt – einer Einrichtung, die sich seit 1991 der Berufsvorbereitung und beruflichen Erstausbildung von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf widmet. Rund eineinhalb Jahre genießen die Rinder ihre Bewegungsfreiheit und gutes Grünfütter auf 3,5 ha Weideland mit großen Offenställen. 

 

Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich unser Partner für die Schlachtung und Fleischverarbeitung. Im Fleischwerk VIII stellt der Respekt vor dem Tier die Grundlage ihres Handwerks dar. Im Schlachtbetrieb von Andreas Wölfer wird dafür gesorgt, dass die Rinder stressfrei geschlachtet werden und ihren letzten Gang in Ruhe hinter sich bringen können. 

Der kurze Transportweg und die stressfreie Schlachtung sind nicht nur Verpflichtungen unseren Rindern gegenüber, sondern auch ein Qualitätsversprechen an unsere Kunden. Tieren, die nach einem langen, kräftezehrenden Transport in industriellen Massenschlachtbetrieb unter Gewalt, Lärm und Zeitdruck geschlachtet werden, schütten hohe Mengen Stresshormone aus. Der Hormoncocktail gelangt ins Blut und führt zum Absinken des Glykogenspiegels. Der ph-Wert des Gewebes sinkt und dadurch kann das Fleisch zäh werden und weniger leicht den Fleischsaft halten. Das Fleisch unserer Tiere ist hingegen frei von Stresshormonen und genau so, wie es sein soll: Zart, von dunkelroter Farbe und purem, aromatischen Fleischgeschmack.


Nachhaltige Verarbeitung

Nach der Ausblutung reift das Fleisch 15 – 18 Tage. Odenwälder Rote haben rassentypisch eine feine Knochenstruktur, die den Fleischertrag positiv beeinflusst. Bei der Zerlegung achtet der Metzger darauf, dass die Fleischverwertung möglichst vollwertig ist – die unterschiedlichen Stücke werden individuell ausgearbeitet. In Deutschland ist diese traditionelle, nachhaltige Zerlegung zunehmend von der groben, industriellen Zerlegung ersetzt worden. Wir schätzen jedes Stück unserer Tiere und in unserem Verständnis gibt es keine „schlechten Fleischstücke“. Jedes Stück kann bei der richtigen Zubereitung zu einer Delikatesse werden. Auch nicht essbare Teile des Rindes, wie zum Beispiel Felle, sind für uns wertvolle Ressourcen. 

*Quelle: Vgl. Matthes, H.-D.; Pastushenko, V.: Einfluss der landwirtschaftlichen Produktionsweise auf den Fettsäuregehalt des Fleisches. In: Ernährungs-Umschau 9/46. Jg., S. 335-338, 1999 Quelle: UGB-Forum 6/99, S. 353