Rund um die Zucht

Beginn und Ausbau der Zucht

Aus einem Landwirtschaftlichen Familienbetrieb stammend wurde Karl-Heinz bereits seit seiner Kindheit in den elterlichen Betrieb involviert. Mit großer Selbstverständlichkeit fütterte er jeden Morgen die Tiere, bevor er an sein eigenes Frühstück dachte.

Nachdem Mitte der 80er Jahre der große Elterliche Betrieb aufgegeben wurde, traf Karl-Heinz die Entscheidung, die Viehzucht mit Chevrolet Rindern im kleinen Rahmen der Muttertierhaltung weiterzuführen. Damals war er der erste im weiten Umkreis, der diese Rasse züchtete.

Muttertierhaltung bezeichnet eine Aufzucht der Tiere beim Muttertier bis zum Schlachten. Diese Form der Aufzucht wurde bewusst von Karl-Heinz gewählt, da die Tiere durch ständigen Zugang zur Muttermilch viel gesünder Aufwachsen. Gleichzeitig nahm er damals schon eine Umstellung auf Grünland vor.

 

So kam der Fernehof zu seinem Namen

Idyllisch im vorderen Odenwald, in Wiebelsbach gelegen, umfasst der Fernehof rund 6 Hektar Freiland. Auch wenn der Hof sich über hügeliges Weideland erstreckt, so hat die Namensgebung nichts, wie man vermutet, mit einem Fernblick zu tun. Aus Andenken an seine erste Kuh, die den Namen Ferne trug, taufte Karl-Heinz den Hof „Fernehof“.

 

BSE und die Folgen auf dem Fernehof

Während der BSE-Epidemie Ende der 1980er Jahre bis Anfang der 1990er Jahre sind in der Europäischen Union mehr als 185.000 Rinder erkrankt, die meisten in Großbritannien. Dies führte dazu, dass niemand mehr Rindfleisch kaufen wollte. Auch wenn die Tiere des Fernehof‘s nicht von der Seuche betroffen waren, brachte diese Epidemie Karl-Heinz dazu, sich mit anderen Rassen auseinanderzusetzen und seine Zucht zu überdenken.

 

Entscheidung für Rotes Höhenvieh

Auf einem Biomarkt in Schotten wurde Karl-Heinz auf die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) aufmerksam. Auf der Suche nach einer für seine Zucht geeignet Rasse stieß er auf das Rote Höhenvieh, das früher auch im Odenwald heimisch war. Heimatverbunden wie er ist begründete sich darauf seine Entscheidung, diese Rasse fortan zu züchten.

Nach den ersten Anfängen mit der neuen Rasse hatte er Mitte 2000 bereits seine Zucht vergrößert. Es folgten Teilnahmen an verschiedenen Zuchtschauen in Deutschland und auf der Europaschau. Heute umfasst die Zucht von Karl-Heinz rund 70 Tiere aller Altersklassen.

 

Tierliebe

Die Tierliebe hatte schon immer einen besonderen Stellenwert bei Karl-Heinz. Umgeben von Tieren auf dem Elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb wuchs Karl-Heinz auf. Immer umgeben von seinen vier Hunden trifft man ihn auf dem Fernehof an. Mit Herzensblut betreibt er seine Viehzucht, bei der immer das Wohl der Tiere im Vordergrund steht. So absolvierte er in der Schweiz einen Bullenflüsterer Lehrgang. Hierbei geht es um die Kontaktaufnahme mit dem Rind, also darum, in Kommunikation mit dem Tier zu treten und darum, Tiersignale, wie sie bei dieser Art von „Unterhaltung“ auftreten, zu erkennen und richtig zu deuten.

 

Artgerechte Haltung auf dem Fernehof

Die Stallanlagen auf dem Gelände wurden im Laufe der Jahre von Karl-Heinz immer wieder verändert und den Bedürfnissen und zum Wohl der Tiere angepasst. So gibt es heute speziell einen Stall zum Fressen oder einen für die Ruhephasen der Tiere. Das soziale Leben der Herde und die Rangordnung werden durch das verhalten auch in den Ställen beeinflusst und geprägt.

Das große Freiland des Fernehofs können die Tiere Sommer wie Winter aufsuchen und entscheiden selbst, ob sie sich in den Stall zurückziehen möchten oder nicht. Die Fütterung erfolgt artgerecht und nicht durch Mastfutter! Karl-Heinz verfüttert an seine Tiere nur das, was rundum wächst, und dies in kleinen Portionen.

Anders als in der Massentierhaltung hat diese Art der Fütterung zu Folge, dass die Entwicklung der Tiere dadurch etwas langsamer voranschreitet. So sind die Rinder beispielsweise nicht mit zwei sondern erst mit zweieinhalb Jahren ausgewachsen. Dies nimmt Karl-Heinz gerne in Kauf denn der Vorteil ist, dass die Tiere nicht verfetten und das Fleisch nach der Schlachtung kaum Fettanteil aufweist. Und der Erfolg und die Qualität des Fleisches gibt ihm Recht.

 

Die Schlachtung

Der Prozess rund um die Schlachtung wird für die Tiere so stressfrei wie möglich gehalten. So werden die Tiere auf kurzen Wegen zum Schlachter transportiert, ohne dass diese Stresshormone freisetzen, die die Fleischqualität beinträchtigen.

 

Intension der Viehzucht

Das Bestreben von Karl-Heinz, neben der Erhaltung der Rasse des Roten Höhenviehs liegt in der Vermarktung und Veredelung des besonders feinfaserigen Fleisches.

Seit rund vier Jahren bietet Karl-Heinz seinen Kunden das Fleisch in 5 Kilo Paketen an. Diese Pakete umfassen u.a. Rump- und Hüftsteaks, Braten und Rouladen, Hackfleisch, Gulasch und Suppenfleisch. Weiterhin können Lende, Leber, Zunge, Herz und Innereien erworben werden. Speziell zusammengestellte Fleischpakete können telefonisch angefragt und in Auftrag gegeben werden.

Erste Versuche der Veredelung hatte Karl-Heinz gemeinsam mit seinem Metzger durch Talg-Veredelung erzielt.

Derzeit testet er mit einem Metzger seines Vertrauen eine neue Art der Fleischveredelung, die das von Haus aus feinfaserige Fleisch noch zarter und schmackhafter macht. Das Fleisch wird nach einen geheimen Rezept mit heimischen Odenwälder Kräutern vom Metzger verarbeitet. Das Ergebnis ist butterzartes Fleisch, das auf der Zunge zergeht.

Seine Devise lautet, das er nur Fleisch verkauft, von dessen Qualität er überzeugt ist und das er auch selber isst. Nur so kann man Kunden nicht nur einmal zufrieden stellen sondern durch gleichbleibende Qualität auch als Stammkunden halten.